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IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Die Azteken

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Mexikos Staatswappen zeigt einen Adler auf einem Feigenkaktus, der eine Schlange hält. Das Bild geht auf die Gründungsgeschichte von Tenochtitlan zurück, der Hauptstadt der Mexica, die man meist Azteken nennt.

Die erste Seite des Codex Mendoza, um 1541: ein Adler auf einem Kaktus markiert die Gründung von Tenochtitlan
Die erste Seite des Codex Mendoza, um 1541: ein Adler auf einem Kaktus markiert die Gründung von Tenochtitlan. Gemeinfrei.

Azteken oder Mexica?

Die Menschen, die Tenochtitlan gründeten, nannten sich Mexica. Der Name „Azteken“ leitet sich von Aztlán ab, dem mythischen Ursprungsort im Norden, und wurde erst im 18. und 19. Jahrhundert von Gelehrten populär gemacht. Im weiteren Sinn meint man damit oft alle Nahuatl sprechenden Völker im Hochtal von Mexiko.

Eine Stadt im See

Nach ihrer Überlieferung wanderten die Mexica lange, bis sie das verheißene Zeichen sahen: den Adler auf dem Kaktus. Er stand auf einer sumpfigen Insel im See von Texcoco. Dort gründeten sie um 1325 ihre Stadt. Aus der unwirtlichen Lage machten sie einen Vorteil: Dämme verbanden die Insel mit dem Ufer, Aquädukte brachten Trinkwasser, und auf Chinampas, künstlich aufgeschütteten Beeten im flachen Wasser, wuchsen Mais, Bohnen, Kürbis und Chili.

Um 1519 lebten in Tenochtitlan und der Nachbarstadt Tlatelolco nach Schätzungen 150.000 bis 200.000 Menschen. Spanische Augenzeugen verglichen die Stadt mit Venedig und beschrieben den großen Markt von Tlatelolco als größer als jeden, den sie kannten.

Alltag in der Stadt

Die Gesellschaft der Mexica war in Nachbarschaftsverbände gegliedert, die calpolli. Sie verwalteten Land, stellten Krieger und unterhielten eigene Tempel. Bemerkenswert ist, dass alle Jungen eine Schule besuchten: je nach Herkunft das telpochcalli, wo sie vor allem für den Krieg ausgebildet wurden, oder das calmecac, die Schule der Priester und Adligen mit Unterricht in Schrift, Kalender und Redekunst. Auch Mädchen wurden unterwiesen, vor allem für den Tempeldienst und den Haushalt. Auf den Märkten dienten Kakaobohnen und Baumwolldecken als Zahlungsmittel.

Der Dreibund und sein Reich

1428 schlossen sich Tenochtitlan, Texcoco und Tlacopan zu einem Bündnis zusammen und besiegten die bis dahin führende Macht Azcapotzalco. In den folgenden Jahrzehnten unterwarf der Dreibund große Teile Zentralmexikos. Unterworfene Städte behielten oft ihre eigenen Herrscher, mussten aber Tribut liefern: Mais, Baumwolldecken, Kakao, Federn, Jade. Der Codex Mendoza listet diese Abgaben Provinz für Provinz auf.

Religion und Krieg waren eng verbunden. Menschenopfer gehörten zum Kult, besonders für den Sonnen- und Kriegsgott Huitzilopochtli. Wie viele Menschen geopfert wurden, ist umstritten, weil spanische Berichte zur Übertreibung neigten; Ausgrabungen am Templo Mayor in Mexiko-Stadt belegen die Opfer aber eindeutig.

Nicht alle Nachbarn ließen sich unterwerfen. Tlaxcala östlich des Hochtals blieb unabhängig und wurde zum wichtigsten Verbündeten der Spanier.

Der Fall von Tenochtitlan

1519 landete Hernán Cortés mit wenigen Hundert Spaniern an der Golfküste. Entscheidend für den Ausgang waren nicht die Spanier allein, sondern Zehntausende indigene Verbündete, die den Dreibund loswerden wollten. Moctezuma II. empfing die Fremden in der Hauptstadt und wurde von ihnen festgesetzt; er starb 1520 unter ungeklärten Umständen.

Im selben Jahr brach in der Stadt eine Pockenepidemie aus, an der auch sein Nachfolger Cuitláhuac starb. Mehr dazu steht im Beitrag über die Epidemien nach 1492. Nach monatelanger Belagerung fiel Tenochtitlan am 13. August 1521. Auf den Ruinen entstand Mexiko-Stadt.

  1. 1325Gründung von Tenochtitlan nach der Überlieferung
  2. 1428Dreibund mit Texcoco und Tlacopan
  3. 1502Moctezuma II. wird Herrscher
  4. 1519Ankunft von Hernán Cortés
  5. 1520Tod Moctezumas, Pockenepidemie
  6. 1521Fall von Tenochtitlan

Nahuatl lebt weiter

Viele Wörter, die auch im Deutschen vorkommen, stammen aus dem Nahuatl: Tomate (tomatl), Schokolade (über xocolatl), Avocado (ahuacatl), Chili und Kojote. Heute sprechen in Mexiko nach der Volkszählung von 2020 rund 1,6 Millionen Menschen Nahuatl, mehr als jede andere indigene Sprache des Landes. Sie gehört zu den Nationalsprachen, die das mexikanische Sprachengesetz von 2003 anerkennt.

Den Vergleich mit den Maya lohnt sich: Beide Kulturen teilten den Kalender, den Mais und das Ballspiel, waren politisch aber völlig verschieden organisiert.

Quellen und weiterlesen

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