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IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Die Epidemien nach 1492

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Die Eroberung Amerikas wird oft als Geschichte von Schlachten erzählt. Die meisten Menschen starben aber nicht durch Waffen, sondern an Krankheiten, die mit den Europäern und ihren Tieren über den Atlantik kamen. Das Ausmaß ist kaum vorstellbar.

Pockenkranke in einer Darstellung aus dem Florentiner Codex, 16
Pockenkranke in einer Darstellung aus dem Florentiner Codex, 16. Jahrhundert, zusammengestellt von Bernardino de Sahagún mit Nahua-Gewährsleuten. Gemeinfrei.

Warum die Krankheiten so tödlich waren

In Europa, Asien und Afrika lebten Menschen seit Jahrtausenden eng mit Rindern, Schweinen, Schafen und Geflügel zusammen. Viele Infektionskrankheiten sind ursprünglich von Tieren auf Menschen übergesprungen. In Amerika gab es weit weniger Haustiere: Hunde, Truthühner und in den Anden Lamas und Alpakas. Pocken, Masern, Grippe, Typhus und später Malaria und Gelbfieber waren dort unbekannt.

Wer eine Krankheit wie die Pocken übersteht, ist danach meist immun. In Europa erkrankten deshalb vor allem Kinder, die Erwachsenen hatten Schutz. In Amerika trafen die Erreger auf Menschen jedes Alters ohne jeden Schutz. Wenn ein ganzes Dorf gleichzeitig krank wird, ist niemand mehr da, der Wasser holt, Essen kocht oder die Felder bestellt. Hunger und Erschöpfung verstärkten die Wirkung der Seuchen.

Der Verlauf

Auf Hispaniola, wo Kolumbus 1492 landete, war die einheimische Bevölkerung der Taíno schon wenige Jahrzehnte später fast verschwunden. Zwangsarbeit, Gewalt und Hunger wirkten mit den Seuchen zusammen. Ab 1518 breiteten sich die Pocken auf den Inseln aus und erreichten 1520 mit der spanischen Expedition das mexikanische Festland.

In Tenochtitlan starben in diesem Jahr Tausende, darunter der Herrscher Cuitláhuac, der Nachfolger Moctezumas. Die Nahua-Gewährsleute, die Bernardino de Sahagún Jahrzehnte später befragte, beschrieben die Krankheit eindringlich; ihre Schilderungen sind im Florentiner Codex erhalten. Mehr zur Stadt im Beitrag über die Azteken.

Die Krankheiten waren schneller als die Eroberer. In den Anden starb der Inka-Herrscher Huayna Cápac um 1527 wahrscheinlich an den Pocken, bevor ein Spanier das Reich betreten hatte. Der folgende Bürgerkrieg schwächte die Inka genau in dem Moment, als Pizarro eintraf.

Wie viele Menschen starben?

Hier beginnen die Schwierigkeiten. Wie viele Menschen 1492 in Amerika lebten, weiß niemand genau. Die Schätzungen der letzten hundert Jahre reichen von unter zehn bis über hundert Millionen. Eine viel zitierte Studie des University College London von 2019 rechnet mit rund 60 Millionen Menschen um 1492 und einem Rückgang um etwa 90 Prozent bis 1600. Ganze Landschaften verwilderten, Felder wurden zu Wald.

Seuchen waren keine reine Naturkatastrophe. Wo Menschen versklavt, vertrieben oder zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, starben mehr. Es gibt auch einzelne belegte Fälle, in denen Kolonisten erwogen, Krankheiten absichtlich zu verbreiten, etwa 1763 bei Fort Pitt mit Decken aus einem Pockenhospital. Ob das tatsächlich zu Ansteckungen führte, ist unklar.

Ein Austausch in beide Richtungen

Historiker sprechen vom Kolumbianischen Austausch. Aus Amerika kamen Mais, Kartoffeln, Tomaten, Kakao, Tabak und Kautschuk in die übrige Welt; die Kartoffel half später, Hungersnöte in Europa zu lindern. Nach Amerika kamen Weizen, Zuckerrohr, Rinder, Schweine und Pferde. Manche Tiere breiteten sich schneller aus als die Siedler: Verwilderte Schweine fraßen Felder kahl, Rinderherden veränderten ganze Landschaften.

Bei den Krankheiten war der Austausch dagegen sehr ungleich. Ob die Syphilis aus Amerika nach Europa kam, wird bis heute diskutiert.

Spätere Wellen

Die Epidemien waren kein einmaliges Ereignis. Mit jeder neuen Grenze kamen neue Ausbrüche. 1837 tötete eine Pockenepidemie am oberen Missouri einen großen Teil der Mandan, die vorher ein wichtiges Handelsvolk der Plains gewesen waren. Im 20. Jahrhundert trafen Masern und Grippe noch Völker in Amazonien, die neu in Kontakt mit Außenstehenden kamen. Deshalb schützt Brasilien heute isoliert lebende Gruppen, statt Kontakt zu suchen; mehr dazu im Beitrag über Amazonien.

Erst Impfungen haben die Pocken weltweit besiegt. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation sie für ausgerottet.

Quellen und weiterlesen

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