Zum Inhalt springen
IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Die Inka

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Die Inka nannten ihr Reich Tawantinsuyu, „Land der vier Teile“. Auf seinem Höhepunkt reichte es vom Süden des heutigen Kolumbien bis nach Zentralchile, über Gebirge, Wüsten und Regenwaldränder. Erstaunlich ist vor allem, wie schnell es entstand und wie schnell es zerbrach.

Machu Picchu im Morgenlicht
Machu Picchu im Morgenlicht. Die Anlage entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Foto: Allard Schmidt, gemeinfrei.

Vom Kleinstaat zum Großreich

Lange waren die Inka eine von vielen Gruppen im Hochland um Cusco. Der Wendepunkt kam um 1438, als ein Herrscher, der den Namen Pachacútec („der die Welt umkehrt“) annahm, einen Angriff der benachbarten Chanka abwehrte. Er und seine Nachfolger Túpac Yupanqui und Huayna Cápac eroberten in wenigen Jahrzehnten ein Gebiet von rund 4.000 Kilometern Länge.

Das Reich war in vier Teile gegliedert, deren Grenzen sich in Cusco trafen. Die Inka selbst waren eine kleine Elite; die meisten Untertanen gehörten anderen Völkern an. Die Herrschaft beruhte auf einer Mischung aus Gewalt, Umsiedlungen und dem Prinzip der Gegenseitigkeit: Der Staat verlangte Arbeit und versorgte im Gegenzug mit Vorräten und Festen.

Arbeit statt Geld

Geld im europäischen Sinn kannten die Inka nicht, auch keinen Markt wie die Azteken. Abgaben wurden in Arbeitszeit geleistet, die mit'a. Die Bauern bestellten die Felder des Staates und der Religion, bauten Straßen, dienten als Soldaten. Die Erträge lagerten in Tausenden Speicherhäusern, den qollqa, entlang der Straßen.

An steilen Hängen legten die Menschen Terrassen an, die Erosion verhinderten und Mikroklimata für verschiedene Pflanzen schufen. Die Andenvölker kultivierten Hunderte Kartoffelsorten, dazu Mais, Quinoa und Oca. Gefriergetrocknete Kartoffeln, chuño, hielten sich jahrelang.

Ein Quipu: Schnüre mit Knoten, deren Position und Art Zahlen festhalten
Ein Quipu: Schnüre mit Knoten, deren Position und Art Zahlen festhalten. Tafel aus Leslie Leland Locke, The Ancient Quipu, 1923. Gemeinfrei.

Straßen und Knotenschnüre

Das Straßennetz der Inka, Qhapaq Ñan, umfasste rund 30.000 Kilometer mit Hängebrücken aus geflochtenem Gras, Treppen und Rasthäusern. Staffelläufer, die chaski, trugen Nachrichten in kurzer Zeit über große Entfernungen. Seit 2014 ist das Straßensystem Welterbe der UNESCO.

Eine Schrift wie die Maya hatten die Inka nicht. Für Verwaltung und Statistik nutzten sie Quipus, Bündel aus Baumwoll- oder Wollschnüren mit Knoten. Die Position eines Knotens zeigte die Stelle im Zehnersystem an. Ob manche Quipus auch Erzählungen oder Namen festhielten, ist eine der offenen Fragen der Forschung.

Machu Picchu

Die bekannteste Inka-Anlage entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts, vermutlich als Landsitz Pachacútecs. Sie liegt auf einem Bergsattel über dem Urubamba-Tal und war wohl nur wenige Jahrzehnte voll bewohnt. Die Spanier fanden sie offenbar nie. International bekannt wurde sie 1911 durch den Amerikaner Hiram Bingham, Bauern aus der Gegend kannten den Ort allerdings längst. Seit 1983 ist Machu Picchu Welterbe.

Bürgerkrieg, Pocken und Pizarro

Um 1527 starb Huayna Cápac, wahrscheinlich an den Pocken, die sich schneller ausbreiteten als die Europäer selbst; mehr dazu im Beitrag über die Epidemien nach 1492. Zwischen seinen Söhnen Huáscar und Atahualpa brach ein Bürgerkrieg aus, den Atahualpa gerade gewonnen hatte, als Francisco Pizarro 1532 mit rund 170 Mann in Cajamarca eintraf.

Pizarro nahm Atahualpa bei einem Treffen gefangen. Der Inka bot ein Lösegeld an: einen Raum voll Gold und zwei Räume voll Silber. Die Spanier nahmen das Metall und ließen ihn 1533 trotzdem hinrichten. Widerstand gab es noch lange: Von Vilcabamba aus regierten Inka-Herrscher bis 1572, als Túpac Amaru gefangen und in Cusco hingerichtet wurde.

Quechua heute

Quechua, die Verwaltungssprache der Inka, ist die meistgesprochene indigene Sprache Amerikas. Schätzungen liegen bei acht bis zehn Millionen Sprecherinnen und Sprechern in Peru, Bolivien, Ecuador und Nachbarländern. In Peru und Bolivien ist Quechua Amtssprache. Im Süden des Kontinents liegt mit den Mapuche ein Volk, das die Inka nie unterwerfen konnten.

Quellen und weiterlesen

Auch in der Sammlung