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IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Die Mapuche

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Mapuche heißt „Menschen der Erde“. Das Volk lebt im Süden Chiles und im angrenzenden Argentinien und gehört zu den wenigen in Amerika, die sich über drei Jahrhunderte gegen eine Eroberung behauptet haben.

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Das Kerngebiet der Mapuche südlich des Biobío (rot), das Spanien ab 1641 vertraglich anerkannte. Das Siedlungsgebiet reichte auch über die Anden. Eigene Darstellung.

Das Land der Mapuche

Das Siedlungsgebiet der Mapuche, von ihnen Wallmapu genannt, erstreckte sich vor der spanischen Ankunft über weite Teile Zentral- und Südchiles. Die Mapuche lebten nicht in einem Staat, sondern in Familienverbänden unter eigenen Oberhäuptern, den lonko. In Kriegszeiten wählten sie gemeinsame Anführer, die toki. Diese lockere Ordnung machte sie schwer zu besiegen: Es gab keine Hauptstadt, die man einnehmen, und keinen Herrscher, den man gefangen nehmen konnte.

Die Inka drangen im 15. Jahrhundert bis etwa zum Río Maule vor. Weiter südlich kamen sie nicht.

Die Grenze am Biobío

Die Spanier unter Pedro de Valdivia gründeten 1541 Santiago und zogen nach Süden. Valdivia fiel 1553 in einer Schlacht gegen Mapuche unter dem Anführer Lautaro, der zuvor als Pferdeknecht bei den Spaniern gelebt und ihre Kampfweise studiert hatte. Die Mapuche übernahmen rasch das Pferd und wurden zu gefürchteten Reitern.

Nach einer großen Niederlage der Spanier bei Curalaba 1598 wurden die Städte südlich des Flusses Biobío aufgegeben. Der Fluss wurde für lange Zeit zur Grenze. In Verträgen, den sogenannten Parlamenten, erkannte die spanische Krone ab 1641 das Gebiet der Mapuche praktisch an. Es war einer der seltenen Fälle, in denen eine europäische Kolonialmacht mit einem indigenen Volk wie mit einer fremden Nation verhandelte.

Eroberung im 19. Jahrhundert

Die Wende kam nicht durch Spanien, sondern durch die jungen Staaten Chile und Argentinien. Chile besetzte in den Jahren 1861 bis 1883 das Gebiet südlich des Biobío; offiziell hieß das „Befriedung der Araukanie“. Argentinien führte fast zeitgleich, 1878 bis 1885, die sogenannte Wüstenkampagne gegen die Völker der Pampa und Patagoniens. In beiden Ländern verloren die Mapuche den größten Teil ihres Landes. Sie wurden in kleinen Reservaten angesiedelt, das übrige Land ging an Siedler, darunter viele Einwanderer aus Deutschland und der Schweiz.

  1. 1553Valdivia fällt im Kampf gegen Lautaros Krieger
  2. 1598Schlacht von Curalaba, Rückzug der Spanier hinter den Biobío
  3. 1641Parlament von Quilín
  4. 1861–1883Chilenische Besetzung der Araukanie
  5. 1878–1885Argentinische Wüstenkampagne

Kultur

Im Zentrum der Mapuche-Religion stehen die Verbindung zur Erde und zu den Ahnen. Die machi, meist Frauen, sind Heilkundige und spirituelle Autoritäten. Ihre Trommel, der kultrún, ist eines der bekanntesten Symbole der Mapuche und erscheint auch auf ihrer Flagge. Gemeinschaftsfeste wie das nguillatun bitten um Fruchtbarkeit und Ausgleich.

Mapudungun wird heute vor allem von Älteren gesprochen; Schulen und Gemeinden bemühen sich, die Sprache an Kinder weiterzugeben. Ein Wort kennen viele Deutschsprachige, ohne es zu wissen: Die Araukarie, der Andentanne genannte Baum, ist nach dem spanischen Namen für die Region benannt. Ihre Samen, ngülliw, waren ein wichtiges Nahrungsmittel der Pewenche, einer Mapuche-Gruppe in den Anden.

Mapuche in Argentinien

Auf der argentinischen Seite der Anden leben Mapuche vor allem in den Provinzen Neuquén, Río Negro und Chubut. Schon vor der Eroberung gab es enge Verbindungen über die Pässe hinweg: Handel mit Vieh, Salz und Textilien, Heiraten und Bündnisse. Im 18. Jahrhundert verbreiteten sich Sprache und Kultur der Mapuche weit in die Pampa hinein.

Auch in Argentinien wird um Land gestritten. Bekannt wurde etwa der Konflikt um Ländereien des italienischen Benetton-Konzerns in Patagonien, auf denen Mapuche-Familien Ansprüche erheben.

Konflikte heute

Seit den 1990er-Jahren fordern Mapuche-Organisationen in Chile Land zurück, vor allem Flächen, die heute Forstunternehmen mit Kiefern- und Eukalyptusplantagen bewirtschaften. Der Konflikt hat friedliche und gewaltsame Formen angenommen; der chilenische Staat hat wiederholt Antiterrorgesetze gegen Mapuche angewendet, was Menschenrechtsorganisationen kritisieren.

Wie anders die Lage der Völker im tropischen Tiefland ist, zeigt der Beitrag über Amazonien.

Quellen und weiterlesen

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