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IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Indigene Völker Amazoniens

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über neun Staaten und ist etwa fünfzehnmal so groß wie Deutschland. Hier leben Hunderte indigene Völker mit eigenen Sprachen. Lange galt der Regenwald als unberührte Wildnis. Heute weiß man, dass Menschen ihn seit Jahrtausenden mitgestalten.

AmazonasbeckenManausBelémIquitos
Das Amazonasbecken (grün, vereinfacht) mit dem Hauptstrom. Eigene Darstellung auf Grundlage von Natural Earth.

Ein Wald mit Geschichte

Archäologische Funde der letzten Jahrzehnte haben das Bild Amazoniens verändert. Am Unterlauf des Amazonas und in Bolivien gab es lange vor 1492 große Siedlungen mit Dämmen, Gräben und Hügeln. Die sogenannte Terra preta, eine schwarze, fruchtbare Erde mit Holzkohle und Tonscherben, entstand durch menschliche Siedlungstätigkeit und ist bis heute an vielen Orten nachweisbar. Auch die Verbreitung von Nutzbäumen wie der Paranuss deutet darauf hin, dass Menschen den Wald über lange Zeit geformt haben.

Mit den Epidemien und der Kolonisierung brach ein großer Teil dieser Bevölkerung zusammen. Was die ersten Europäer später als „unberührt“ beschrieben, war vielfach ein Wald, in den die Natur nach dem Verlust seiner Bewohner zurückgekehrt war. Zum Hintergrund siehe die Epidemien nach 1492.

Leben im Wald

Viele Völker Amazoniens verbinden Gartenbau mit Jagd, Fischfang und Sammeln. Auf kleinen gerodeten Flächen wachsen Maniok, Bananen und Süßkartoffeln. Nach einigen Jahren wird das Feld aufgegeben, und der Wald wächst nach. Maniok ist ein gutes Beispiel für das Wissen dieser Kulturen: Die Bitterformen der Knolle sind roh giftig und werden durch Reiben, Pressen und Erhitzen genießbar gemacht.

Die Yanomami im Grenzgebiet von Brasilien und Venezuela leben in großen runden Gemeinschaftshäusern, den shabono. Mit schätzungsweise 27.000 bis 35.000 Menschen sind sie eines der größten Völker der Region, das noch weitgehend eigenständig lebt. Die Kayapó in Pará und Mato Grosso sind durch ihren politischen Widerstand gegen Staudämme bekannt geworden, besonders durch den Häuptling Raoni Metuktire.

Schutzgebiete

Brasiliens Verfassung von 1988 erkennt die Rechte indigener Völker an dem Land an, das sie traditionell bewohnen. Viele Gebiete wurden seitdem als Terra Indígena ausgewiesen, 1992 auch das Gebiet der Yanomami. Satellitenbilder zeigen regelmäßig, dass in indigenen Gebieten deutlich weniger Wald verloren geht als in ihrer Umgebung.

Um die Ausweisung neuer Gebiete wird heftig gestritten. Die sogenannte Stichtags-These, nach der nur Land beansprucht werden kann, das 1988 bewohnt war, hat der Oberste Gerichtshof Brasiliens 2023 verworfen. Das Parlament beschloss kurz darauf trotzdem ein Gesetz in diesem Sinn, der Streit dauert an.

Bedrohungen

Die größte Gefahr geht von illegalem Goldabbau, Holzeinschlag, Viehweiden und Straßenbau aus. Goldsucher verschmutzen Flüsse mit Quecksilber und schleppen Krankheiten ein. Ende der 1980er-Jahre drangen Zehntausende Goldsucher in das Gebiet der Yanomami ein; 1993 töteten Goldsucher beim Massaker von Haximu 16 Yanomami. Anfang 2023 rief Brasiliens Regierung im Yanomami-Gebiet einen Gesundheitsnotstand aus, nachdem Hunderte Menschen, vor allem Kinder, an Unterernährung und Krankheiten gestorben waren.

Unkontaktierte Völker leben bewusst ohne Kontakt zur Außenwelt, oft nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit. Brasilien verfolgt seit 1987 die Politik, sie nicht aufzusuchen, sondern ihre Gebiete zu schützen. Schon eine Erkältung kann für Menschen ohne Immunschutz tödlich sein.

Stimmen aus dem Wald

Indigene Organisationen wie die COIAB in Brasilien oder der Dachverband COICA vertreten die Völker Amazoniens heute auch international. Bekannte Sprecher wie der Yanomami-Schamane Davi Kopenawa reisen zu Klimakonferenzen und Parlamenten, um für den Schutz ihrer Gebiete zu werben. Am anderen Ende des Kontinents, im kühlen Süden, leben die Mapuche, deren Geschichte ganz anders verlief.

Quellen und weiterlesen

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