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IndianerinfoKultur und Geschichte von Alaska bis Feuerland

Die Kulturareale Nordamerikas

Aktualisiert am · 4 Minuten Lesezeit

Wer „die Indianer Nordamerikas“ sagt, fasst Hunderte Völker zusammen, die in Eiswüsten, Regenwäldern, Prärien und Wüsten lebten. Um diese Vielfalt zu ordnen, arbeitet die Ethnologie seit gut hundert Jahren mit Kulturarealen: Großräumen, in denen Klima, Landschaft und Lebensweise einander ähneln.

Eine Iñupiat-Familie aus Noatak im Nordwesten Alaskas
Eine Iñupiat-Familie aus Noatak im Nordwesten Alaskas. Aufnahme von Edward S. Curtis, 1929. Gemeinfrei.

Woher das Modell kommt

Die Idee stammt aus der amerikanischen Museumsethnologie um 1900. Kuratoren wie Clark Wissler suchten nach einer Ordnung für ihre Sammlungen und gruppierten Gegenstände nicht nach Völkern, sondern nach Regionen. Daraus entstand die Einteilung, die das große Nachschlagewerk Handbook of North American Indians der Smithsonian Institution später in zehn Bänden zur Geografie fortführte. Heute ist sie Standard in Schulbüchern, Museen und Atlanten.

ArktisSubarktisNordwestküstePlateauGroßes BeckenKalifornienSüdwestenPlainsNordostenSüdosten
Grobe Lage der zehn Kulturareale nach dem Handbook of North American Indians. Die Punkte markieren Kerngebiete, keine Grenzen. Eigene Darstellung.

Die zehn Räume im Überblick

Arktis. Die Küsten von Alaska über Nordkanada bis Grönland. Inuit, Iñupiat und Yupik lebten von Robben, Walen und Karibus. Schlitten, Kajak und das aus Schneeblöcken gebaute Iglu gehören hierher, wobei das Iglu meist nur ein Winter- oder Reisequartier war.

Subarktis. Ein riesiger Gürtel aus Nadelwald und Tundra. Völker wie die Cree, Dene oder Innu zogen in kleinen Gruppen den Jagdtieren nach. Birkenrindenkanus und Schneeschuhe waren die wichtigsten Verkehrsmittel.

Nordwestküste. Ein schmaler, regenreicher Streifen zwischen Alaska und Nordkalifornien. Lachs und Zedernholz machten sesshafte Dörfer möglich. Die Haida, Tlingit oder Kwakwakaʼwakw sind für Plankenhäuser, Wappenpfähle und den Potlatch bekannt, ein Fest, bei dem Rang und Ansehen durch Geschenke bestätigt werden.

Plateau und Großes Becken. Zwischen Kaskadengebirge und Rocky Mountains lebten Völker wie die Nez Percé vom Lachsfang und von Wurzeln. Weiter südlich, im trockenen Großen Becken, sammelten Shoshone und Paiute Pinienkerne und Samen.

Kalifornien. Mildes Klima, viele kleine Gemeinschaften, Dutzende Sprachen auf engem Raum. Eicheln waren das Grundnahrungsmittel; sie mussten aufwendig ausgelaugt werden, bevor man sie essen konnte. Die Korbflechterei erreichte hier ein Niveau, das Sammler bis heute bewundern.

Südwesten. Arizona, New Mexico und angrenzende Gebiete. Die Pueblo-Völker wie Hopi und Zuni bauten mehrstöckige Siedlungen und Mais, Bohnen und Kürbis an. Später kamen die Diné (Navajo) und Apache hinzu, die Viehzucht und Weberei übernahmen.

Plains. Die großen Grasländer zwischen Mississippi und Rocky Mountains. Das Bild vom Reiter mit Federhaube und Tipi stammt von hier, ist aber jung: Pferde gab es erst, nachdem die Spanier sie eingeführt hatten. Vorher lebten viele Plains-Völker am Rand der Prärie in Dörfern und gingen zu Fuß auf Bisonjagd. Mehr dazu im Beitrag über die Lakota.

Nordosten. Die Wälder um die Großen Seen und an der Atlantikküste. Hier lebten die Völker des Irokesenbundes in Langhäusern, dazu algonkinsprachige Völker wie die Lenape oder Anishinaabe.

Südosten. Von Virginia bis Florida. Die Mississippi-Kultur errichtete bis etwa 1600 große Erdhügel; Cahokia bei St. Louis war um 1100 eine der größten Siedlungen nördlich von Mexiko. Später bekannt wurden die Cherokee, Muskogee (Creek), Choctaw, Chickasaw und Seminolen.

Was das Modell leistet und was nicht

Kulturareale sind eine Orientierungshilfe, keine Grenzen. Völker wanderten, handelten und heirateten über Areal-Grenzen hinweg. Die Shawnee zum Beispiel lebten im Lauf ihrer Geschichte im Südosten wie im Nordosten; ihr bekanntester Anführer war Tecumseh. Auch die Zeit spielt eine Rolle: Die Einteilung beschreibt ungefähr die Lage zur Zeit der ersten europäischen Kontakte, nicht die Gegenwart.

Viele Gemeinschaften sehen die Einteilung zudem kritisch, weil sie von außen kommt. Für sie zählen Nation, Sprache und Verwandtschaft mehr als ein Kästchen auf der Landkarte. Wer genauer hinschaut, sollte deshalb immer auf die einzelnen Völker und ihre Eigenbezeichnungen achten. Warum das Wort „Indianer“ selbst schwierig ist, erklärt der Beitrag zum Begriff.

Nordamerika heute

In den USA erkennt die Bundesregierung 574 Stammesnationen an, die eigene Regierungen, Gerichte und Polizei haben können. In Kanada sind First Nations, Inuit und Métis seit 1982 in der Verfassung als Aboriginal Peoples genannt. 1999 entstand mit Nunavut ein Territorium, in dem Inuit die große Mehrheit stellen und Inuktitut Amtssprache ist.

Quellen und weiterlesen

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