Die Lakota
Wenn in Europa von „Indianern“ die Rede ist, denken viele an die Lakota, ohne es zu wissen: Reiter der Plains, Tipis, Bisonjagd. Ihre Geschichte ist allerdings weniger romantisch als das Klischee. Sie handelt von Verträgen, Gold und einem Rechtsstreit, der bis heute nicht beigelegt ist.

Wer die Lakota sind
Die Lakota bilden zusammen mit den Dakota und Nakota die Völker, die von Außenstehenden lange Sioux genannt wurden. Das Wort geht auf eine abwertende Fremdbezeichnung zurück; viele Menschen nutzen es trotzdem, auch in offiziellen Namen. Die Lakota selbst gliedern sich in sieben Gruppen, darunter die Oglala, Sicangu (Brulé) und Hunkpapa.
Ursprünglich lebten ihre Vorfahren weiter östlich in Minnesota. Im 18. Jahrhundert zogen die Lakota auf die Plains, übernahmen das Pferd und wurden zu einer der stärksten Mächte der Region. Der Bison lieferte Nahrung, Zeltbahnen, Werkzeug und Kleidung.
Red Cloud und der Vertrag von 1868
In den 1860er-Jahren bauten die USA Forts entlang des Bozeman Trail, einer Route zu den Goldfeldern Montanas, quer durch Jagdgebiete der Lakota. Unter Führung von Red Cloud führten die Lakota mit Verbündeten einen Krieg, den die Armee nicht gewinnen konnte. Im Vertrag von Fort Laramie 1868 gaben die USA die Forts auf und erkannten ein großes Reservat an, das die Black Hills einschloss.
Das war einer der wenigen Fälle, in denen ein indigenes Volk einen Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu seinen Bedingungen beendete. Lange hielt die Abmachung nicht.
Gold in den Black Hills
1874 führte George A. Custer eine Expedition in die Black Hills und meldete Goldfunde. Tausende Goldsucher strömten in das vertraglich geschützte Gebiet. Die Regierung versuchte, die Black Hills zu kaufen, die Lakota lehnten ab. Daraufhin wurden alle Gruppen, die sich außerhalb des Reservats aufhielten, zu Feinden erklärt.
Am 25. und 26. Juni 1876 griff Custers 7. Kavallerieregiment ein großes Lager am Little Bighorn an, in dem Lakota, Cheyenne und Arapaho versammelt waren. Custer und alle Soldaten in seiner unmittelbaren Abteilung kamen ums Leben. Militärisch war es ein Sieg der Lakota, politisch beschleunigte er ihre Niederlage: 1877 beschloss der Kongress, die Black Hills einzuziehen.
- 1868Vertrag von Fort Laramie, Großes Sioux-Reservat
- 1874Custer-Expedition meldet Gold in den Black Hills
- 1876Schlacht am Little Bighorn
- 1877Kongress entzieht den Lakota die Black Hills
- 1890Tod Sitting Bulls und Massaker von Wounded Knee
- 1980Oberster Gerichtshof spricht den Lakota eine Entschädigung zu
Wounded Knee 1890
In den folgenden Jahren wurde das Reservat verkleinert und aufgeteilt, die Bisonherden waren fast ausgerottet. 1889 und 1890 verbreitete sich die Geistertanz-Bewegung, die eine Erneuerung der Welt versprach. Die Behörden sahen darin einen Aufstand. Bei einem Festnahmeversuch wurde Sitting Bull am 15. Dezember 1890 in Standing Rock erschossen.
Zwei Wochen später, am 29. Dezember 1890, umstellte die Armee am Wounded Knee Creek eine Gruppe von Lakota unter Spotted Elk (Big Foot). Bei der Entwaffnung fiel ein Schuss, danach feuerten die Soldaten auch mit Schnellfeuergeschützen. Zwischen 250 und 300 Lakota starben, darunter viele Frauen und Kinder. Wounded Knee gilt seither als Symbol für das Ende der Kriege auf den Plains.
Der Streit um die Black Hills
1973 besetzten Aktivisten des American Indian Movement und Bewohner von Pine Ridge den Ort Wounded Knee für 71 Tage, um auf Armut und gebrochene Verträge aufmerksam zu machen. 1980 entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass die Black Hills unrechtmäßig genommen worden waren, und sprach den Lakota eine Entschädigung zu. Die Lakota haben das Geld nie angenommen; sie wollen das Land zurück, nicht den Preis dafür. Die Summe ist auf einem Treuhandkonto inzwischen auf über eine Milliarde Dollar angewachsen.
Pine Ridge gehört heute zu den ärmsten Regionen der USA. Zugleich gibt es dort Schulen und ein College, die Sprache und Kultur der Lakota weitergeben. Wie stark das Bild der Lakota die deutsche Vorstellung von „Indianern“ geprägt hat, zeigt der Beitrag über das Indianerbild in Deutschland.


